Missverständnisse

Da ich einige kritische Kommentare zu meinen letzten Posts bekommen habe und jetzt auch ein guter Bekannter mündlich ein kritisches Feedback gegeben hat möchte ich in diesem Post ein paar Missverständnisse klären, die leider durch meine Posts entstanden sind. Ich hatte dies schon in den Kommentaren zu den letzten Posts versucht - jetzt aber noch mal zusammengefasst auf der „ersten Seite“ des blog.

Es tut mir leid, wenn in den letzten Posts der Eindruck entstanden ist, dass ich herkömmlichen Gemeinden und Ihrer Arbeitsweise generell kritisch gegenüberstehe. Dies stimm in keinem Fall. (Vermutlich hat meine an manchen Stellen etwas zu flapsige Formulierung dazu geführt, vielleicht aber auch, dass ich von meinem Erlebnishorizont aus geschrieben habe, ohne daran zu denken, dass die Leser meines blogs eventuell z.Z. etwas ganz anderes erleben als ich und mich deswegen nicht richtig verstehen könnten.) Falls ich jemanden durch meine letzten Posts verletzt habe, dann bitte ich hier mit um Entschuldigung. Das war niemals meine Absicht!

Ich halte es für sehr wichtig, dass es herkömmliche oder traditionelle Kirchen und ihre seit Jahren bewährten Arbeitsmethoden gibt. Ich freue mich darüber, wenn durch Aktionen, wie ProChrist, Alpha-Kurse, etc. Menschen Interesse am Glauben bekommen und anfangen an Jesus zu glauben. Nichts liegt mir ferner, als das alles schlecht zu reden. Ich schätze es sehr, dass Pastorenkollegen in großer Treue und Hingabe nach Wegen suchen, wie sie Menschen die Nachricht über Jesus vermitteln können.

Meine letzten Posts sind nur deswegen an manchen Stellen etwas kritisch gewesen, weil ich zusammen mit den projekt_X Team versuche eine Gemeinde aufzubauen, die eine andere Zielgruppe hat, als die herkömmlichen Gemeinden. Und dabei fällt uns auf, dass all die gut funktionierenden Methoden der herkömmlichen Gemeinden bei unserer Zielgruppe nicht passen. Und leider passen sie nicht, weil unsere Zielgruppe sich schwer tut, das, was herkömmliche Gemeinden tun, zu verstehen. Und deswegen suchen wir nach neuen Formen und Ausdrucksweisen von Kirche, die diese Zielgruppe versteht. Im anglikanischen Raum spricht man von „fresh expressions of church“. Wir sagen, dass wir „Kirche neu erfinden wollen“, wobei wir hier neue Ausdrucksformen meinen. Wir wollen und können gar nicht den Inhalt der Kirche neu erfinden. Aber die Ausdrucksformen - wie wir über den Glauben reden und ihn leben - die sollen so frisch und neu sein, dass die Menschen, die wir erreichen wollen, den Inhalt verstehen.

In diesem Zusammenhang wird oft von den so genannten Sinus Milieus gesprochen. Die Sinus Milieus zeigen eine soziologische Landkarte, die versucht unsere Gesellschaft anhand von verschiedenen Milieus zu beschreiben. Für Augsburg gibt es eine ähnliche Studie, die sich jedoch Sigma Milieus nennt (hier leider nur aus dem Jahr 2003):

Unsere Zielgruppe für die Phase der Gemeindegründung ist das rechts oben liegende Postmoderne Milieu und das direkt darunter liegende Moderne Arbeitermilieu. Diese und die anderen quer schraffierten Milieus sind die wachsenden Milieus in Augsburg. In der Sinus Studie werden die Milieus noch einmal mit anderen Namen benannt. Tatsache ist, dass laut der Studie Milieus-Kirche herkömmliche Gemeinden und Kirchen zum großen Teil das Mittelfeld der Sinus oder Sigma-Landkarte erreichen. Da unsere Zielgruppe nicht im Mittelfeld liegt, müssen wir nach neuen Wegen und Formen suchen, mit denen wir Menschen aus unserer Zielgruppe erreichen. Beides ist m.E. nach genauso wichtig: Das Mittelfeld der Sinus oder Sigma Landkarte zu erreichen, wie das Milieu das wir uns vorgenommen haben. Und zusätzlich bräuchten wir viele „fresh expresssions of church“, die sich zur Aufgabe machen, die vielen anderen Milieus zu erreichen, zu denen weder wir noch die herkömmlichen Gemeinden und Kirchen Zugang haben.

In den kommenden Posts werde ich immer wieder einmal über die Dinge berichten, die wir versuchen neu oder anders zu machen - es reicht ja nicht darüber zu reden, was nicht passt. Die Frage ist ja viel mehr, was die Menschen anspricht. Eines dieser Dinge ist die Location in der unsere church_zones statt finden. Aber dazu demnächst ein paar Gedanken…

Peinlichkeiten

Unsere christlichen Kirchen und Gemeinden sind nicht selten Orte voller Peinlichkeiten für Menschen, die mit Glaube und Kirche nicht viel am Hut haben. Das meiste davon bemerken wir ärgerlicher Weise nicht - was hoffentlich der Grund dafür ist, warum wir nur seltenst etwas gegen solche Peinlichkeiten unternehmen.

Im projekt_X Augsburg haben wir uns von Anfang an vorgenommen, solche Peinlichkeiten zu vermeiden - wobei ich glaube, dass das verdammt schwer sein wird. Auch wenn wir Kirche neu erfinden wollen, ist jeder von unserem Team jahrzehntelang in irgendwelchen christlichen Gemeinden gewesen. Dort haben wir diese Peinlichkeiten als etwas ganz normales kennen gelernt - ohne zu merken, wie peinlich wir sind. Umso schwere wird es sein, diese Dinge zu durchschauen und dann bewusst abzulegen.

Hab gerade einen guten Videoclip zu dem Thema gefunden. Er gibt leider nur die amerikanische Version wieder - aber auch für unseren deutschen Kontext ist leider sehr viel wahres dran.

Frage mich gerade, wie ein Clip mit dem Titel: “Was wenn McDonald arbeiten würde wie ein christliche Gemeinde?” aussehen müsste.

Todernst

In den letzten 2 1/2 Wochen sind zwei gute Bekannte von mir gestorben. Der eine war 61 Jahre alt und hatte vor ein paar Jahren ein Gemeindeprojekt in Meck-Pom begonnen. Der andere war Musiker und Missionar in Österreich - er war gerade 31! Mit beiden habe ich vor 2 Jahren auf zwei Teenager Gebetskongressen zusammen gearbeitet. Beide haben mich sehr geprägt. Was für ein Schock, als ich kurz nacheinander vom Tod dieser beiden wertvollen Menschen erfahren habe.

Auf einer der beiden Beerdigungen konnte ich dabei sein. Am Grab eines Menschen wird einem wieder bewusst, wie real das Leben ist und wie genauso real der Tod. Auch wenn wir den Tod in unserer Gesellschaft immer mehr an die Seite gedrängt haben - kein Mensch wird an ihm vorbei kommen.

Mich hat der Tod dieser beiden Menschen wieder neu darüber ins Nachdenken gebracht, was ich zur Zeit eigentlich tue: Ich versuche gerade Kirche Jesu neu zu erfinden und zu überlegen, wie christliche Gemeinde aussehen müsste, damit sie von meiner Generation verstanden wird. Dabei haben mir schon einige Leute gesagt: “Klaus, man merkt, dass die neue Gemeinde DEIN BABY ist!”

Das hört sich so an, als wenn ich das projekt_X gründe, um mir einen lang geträumten Wunsch zu erfüllen. Als wenn ich als Pastor mal das tun könnte, was mir wirklich Spaß macht. Als wenn es mir darum ginge ein bisschen HIP, neu zu erfinden, was in Laufe der Geschichte veraltet ist. Bisschen Tralala für Menschen, die eben mit dem alten Style nicht zurecht kommen. Kirche so verändern, dass auch neue Generationen ein bisschen wohlfühlig den Glauben in ihr Leben einbauen können - damit sie neben alle den anderen Dingen auch noch eine Prise Glauben haben.

Aber alles das ist es nicht, warum ich das tue was ich tue. Ich gründe Gemeinde Jesu, weil das Leben todernst ist und weil es um die Frage geht, wo sich meine Generation - wie alle Generationen - nach dem Tod wieder finden wird. Die Frage ist, wie Menschen aus meiner und den nachfolgenden Generationen den real existierenden Jesus kennen lernen können, damit sie schon jetzt und auch nach dem Tod für immer mit Gott leben können.

Nein es geht nicht darum, dass meine Generation ein bisschen religiöse Lebenshilfe in ihrem Lifestyle bekommt. Es geht um Leben und Tod - und deswegen suche ich neue Wege, den Glauben zu vermitteln. Wenn das Leben nicht so todernst wäre, würde ich bestimmt anderes tun…

Gestern fand zum dritten mal unser lifestyle Gottesdienst church_zone statt. Wieder war das barium56 voll (80 Erwachsene und 7 Kinder). Das Feedback, das wir bekommen, ist durchweg positiv. Es kommen sehr viele Freunde, die von unseren Teamlern eingeladen wurden. Und es kommen Christen, die sich schon lange nach so einer Form der Kirche gesehnt haben. Ein Comment war z.B.: “Endlich habe ich eine Gemeinde gefunden, in der ich mich wohl fühle. Endlich eine Umgebung, in die ich meine ‘Nicht-Christen’ Freunde bringen kann, ohne ein beklemmendes Gefühl zu bekommen…” Feedbacks in diese Richtung bekommen wir nicht wenig. Manche sind in dem ganzen noch zögerlich und wollen in den nächsten church_zone checken, ob das projekt_X wirklich ’save’ ist - ob Menschen, die sich mit frommem Ambiente schwer tun wirklich ohne peinlich berührt zu werden kommen können.

Mich bringt das ins Fragen: Kann es sein, dass wir Christen in den letzten Jahrzehnte eine christlich-evangelikal-charismatische Subkultur geschaffen haben, die für viele Menschen in unserem Land eine ‘No-Go-Area’ ist? Kann es sein, dass unsere ach so leidenschaftlichen Bemühungen Menschen den Glauben an Jesus attraktiv zu machen (ProChrist, Alpha-Kurse, Aktionen auf der Straße, etc.), für viele Zeitgenossen nur bizarr, unverständlich und abstoßend sind? Ich erinnere mich dabei an eine meiner Aktionen ‘mit’ einem ehemaligen Schulkameraden. Ich hatte ihn nach dem Abi mehr als 3 Jahre nicht mehr gesehen. Als dann ProChrist (damals in Essen) statt fand, dachte ich, ich könnte ihn mal einladen. Ich hatte keine Beziehung mehr zu ihm - aber einladen wollte ich ihn!!! Ich bin noch heute Gott sehr dankbar, dass er nicht mitgekommen ist. Es wäre für ihn wohl der Schock des Lebens gewesen.

Ja im Einladen sind wir Chrinsten gut, aber wie steht es damit Beziehungen zu bauen und zu leben? Warum laden wir Menschen ein, die wir nicht wirklich kennen? Und warum laden wir überhaupt in ein christliche Subkultur ein, die mit dem Leben der Menschen nichts mehr zu tun hat?

Leider gibt es in unserem Team schmerzliche Erfahrungen, wo unsere Freunde für immer resistent für die Worte von Jesus scheinen, nur weil sie von irgendeinem Christen (in bester Absicht!) auf irgendeine unserer peinlichen christlichen Veranstaltungen eingeladen wurden und seit dem sagen: “Ich geh überhaupt nirgendswo mehr hin, wohin mich Christen einladen…”

church_zone Teilnehmer

Wie es scheint hatten wir an unserer ersten church_zone - abgesehen von unseren projekt_X Leuten - 3 verschiedene Gruppen von Teilnehmern.

1. Besucher aus anderen Augsburger Allianz-Gemeinde, die mal schauen wollten, was bei uns so geht.
2. Leute, die - aus welchen Gründen auch immer - auf der Suche nach einer christlichen Gemeinde sind. Da reichte das Spektrum von Leuten, die vor kurzem nach Augsburg gezogen sind, bis zu Church-Hoppern, die sich seit Jahren an keine Gemeinde angeschlossen haben.
3. Unsere Freunde, die wir schon lange mal zu einem Gottesdienst einladen wollten - uns aber nicht getraut haben, weil die Gottesdienste nicht zu dem Lifestyle unserer Freunde passten.

Die erste Gruppe macht uns Mut, weil andere Christen uns zeigen, dass sie an unserer Vision interessiert sind und unser Projekt gut finden.
Auf die zweite Gruppe müssen wir aufpassen: Manch ein ‘Neu-Augsburger’ könnte gut zu uns passen - aber Church-Hopper können die Atmosphäre killen, wenn sie zu dominant auftreten.
Und die dritte Gruppe ist einer der Gründe warum wir eine neue Kirche für unsere Generation bauen wollen.

Mein Wunsch ist, dass wir immer Menschen uns Gruppe 3 erreichen und diese Menschen Stück für Stück ins projekt_X hinein wachsen.

church_zone

Um 11 Uhr fand heute unsere erst church_zone (Lifestyle Gottesdienst) statt. Das Barium 56 war rappel voll. Ich hatte mit 60 Personen gerechnet. Mit Kindern waren wir fast 100. Sehr geile Kiste. Die Jungs vom “Launch” haben also recht: Wir müssen groß denken, denn wir haben einen großen Gott. Oder wie ein Bekannter schon oft zu mir gesagt hat: “Klaus, hör nicht auf groß zu denken.” Glaube ist eben nur dann Glaube, wenn wir mehr erwarten als menschlich gesehen möglich ist.
Jetzt sind wir gespannt wie es weiter geht. Nächste Woche starten 2 unserer home_zones. Haupt Ding wird jetzt sein, dass wir lernen neu Menschen zu integrieren.
Alles in allem hat sich der Aufwand den wir heute betrieben haben gelohnt. Message ist angekommen. Die Musik hat den Leuten getaugt. Und die Atmosphäre war sehr gut.
Am 05.10. findet die nächste church_zone statt und dann immer am 1. und 3. Sonntag im Monat. Sind gespannt wie sich unsere neue Kirche entwickelt. Und für alle die jetzt Lust bekommen haben mal bei uns rein zu schauen gilt das Motto, das der Ratskeller in Augsburg am Freitag Abend bei seiner ‘TrachtNacht’ hatte: “You’re welcome!”

Durchstarten

Heute war mein erster offizieller Arbeitstag beim projekt_X. D.h. ab heute arbeite ich mit einer vollen Stelle für unser neues Gemeindeprojekt. Es ist schon sehr spannend nach so langer Vorbereitungszeit endlich durchstarten zu können. Ich freue mich auf alle Herausforderungen, die jetzt auf uns als Team zu kommen werden.

Diese Woche wird auch die Entscheidung fallen, ob wir von dem Gemeindeverband als Gründungsprojekt aufgenommen werden, bei dem wir uns darum "beworben" haben. Wir hoffen und beten, dass Gott die Entscheidung der Verantwortlichen richtig fallen lässt - es soll ja nicht das rauskommen, was wir für das Beste halten, sondern was in Gottes Augen tatsächlich das Beste für uns ist… Also let’s see!

Da ich jetzt voll für die Gemeindegründung arbeite werde ich auch regelmäßiger bloggen - hoffe ich zumindest… Dann gibt es auch mehr zum Buch LAUNCH

Endlich sind wir mit dem projekt_X offiziell gestartet. Nach einer Vorbereitungsphase von mehr als einem Jahr haben wir heute mit Freunden unsere Startschuss gefeiert.

Es sollte eigentlich ein STARTUP PICKNICK geben, aber durch die ungewisse Wetterlage und den Regen in der letzten Nacht mussten wir ins „Weisse Lamm“ ausweichen - wodurch wir ein STARTUP LAMMNICK hatten - was auch sehr gut war. Richard vom Lamm hatte uns gleich im Vorfeld zugesagt, dass wir bei schlechtem Wetter zu ihm kommen können. So hat - obwohl wir nicht am Bismarckturm auf Augsburg schauen konnen - alles gepasst: Ambiente, Getränke, Musik, Essen…

Wir haben kurz das projekt_X vorgestellt: Wer wir sind, was wir wollen, was wir planen, usw. Mit ca. 40 Leuten waren wir etwas weniger als wir erwartet hatten (viele waren schon im Urlaub), aber eine gute Gruppe um miteinander zu feiern. Und Grund zu feiern haben wir, denn ab heute erfinden wir offiziell Kirche neu, für unsere Generation in Augsburg.

Bin heute zum zweiten mal Papa geworden. Das hat zwar nicht so viel mit dem Thema dieses blogs zu tun … vielleicht aber doch. Wenn Geburten zu Grenzerfahrungen werden, an denen Ärzte mit Leben und Tod ringen, dann merkt man sehr schnell, dass wir Menschen eben nicht alles - oder besser: sehr wenig - im Griff haben.

Meine Frau und unser Baby wären heute bei der Geburt beinahe gestorben. Und es war nicht medizinisches Können, was ihnen das Leben gerettet hat, sondern dass Gott die Gedanken einer Ärztin richtig geleitet hat.

Genauso wie bei einer Geburt zum Fachwissen der Hebammen und Ärzte, das Handeln Gottes dazu kommen muss, damit eine Geburt gelingt,  so wird auch beim Gründen einer Gemeinde zu unserem Fachwissen über Gemeindegründung und Postmoderne, etc., das Handeln und Reden Gottes dazu kommen müssen, damit Gemeinde nicht in der Phase der Geburt schon stirbt.

Christival Song?

Vor ein paar Monaten gab es vom Christival eine Songwriter-Ausschreibung. Es wurden neue Songs für das Christival gesucht: jugendkompatibler Inhalt und Sound. Ich hab aus diesem Anlass einen Song geschrieben und ihn in einer 5 Stunden-Aktion aufgenommen (da ließ sich mancher unsaubere Ton etc. nicht vermeiden).

Leider wurde er vom Christival nicht genommen. Bei 140 Songs die eingereicht wurden - und davon einige von Profis - nicht weiter verwunderlich. Vielleicht lag es aber auch an dem zu frechen Text. Hab versucht den Jugendlichen “auf’s Maul zu schauen” - und das ist dann vielleicht nicht mehr so ganz kompatibel zu herkömmlicher Jugend- und Gemeindearbeit. Aber vielleicht singen wir im projekt_X den Song ja mal. Das würde uns dann auch von anderen Gemeinden unterscheiden…

Aber hier der Song: Mein Privileg

Bin jeder Zeit offen für konstruktive Kritik!